Zebrastreifen vor Reichelt und Post

Am 21. März 2012 fand die 5. Informationsveranstaltung zum Thema 

„Neue Fußgängerübergänge am Zeltinger Platz - ein notwendiges Übel?“

statt. Hierzu haben wir die nachfolgende Zusammenfassung erstellt. Diese haben wir an Herrn Bezirksstadtrat Lambert mit folgendem Anschreiben versand:

 

Sehr geehrter Herr Lambert

Der Bürgerverein möchte sich auch noch einmal bei Ihnen bedanken für die gute Kooperation bei der Vorbereitung und Durchführung der Informationsveranstaltung. Es war aus unserer Sicht eine gute Veranstaltung und sollte uns Mut machen, auch zukünftig diese Plattform für andere Themen zu nutzen. Nicht verständlich ist uns allerdings das Verhalten der Senatsverwaltung und der BVG, obwohl alle von Bürgernähe und neuen Formen des Miteinanders sprechen. Aber vielleicht ist das alles noch zu frisch und man muss es erst lernen. Wir bleiben aber dran!

Beiliegend habe ich Ihnen eine Zusammenfassung über die Veranstaltung beigefügt. Wir möchten Sie bitten, mit allem Nachdruck darauf einzuwirken, dass das letzte Wort für die Realisierung der Fahrbahneinengung mit den Zebrastreifen noch nicht gesprochen sein kann. Dafür gibt es zu viele Ungereimtheiten, die vor allem am Mangel von Alternativen und einer belastbaren Simulation liegen.

Ferner ist, wie eine Auswertung der Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes von 2010 und eine Studie des Autoclub Europas (ACE) zeigen, ein Zebrastreifen kein Allheilmittel zur Vermeidung von Unfällen. Das Gegenteil ist der Fall. Insbesondere in Berlin (nach Angaben des ACE) sind die Fußgänger gefährdet, und zwar durch die Autofahrer, aber auch in erheblichem Maße durch das Verhalten der Fußgänger selbst, die „ihre Rechte“ einfordern und ohne Rücksicht den Zebrastreifen „erobern“.

Gerade Letzteres spricht für den Vorschlag, den Aufklärungsprozess für gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer zu intensivieren und in die Praxis umzusetzen. Wir werden als Bürgerverein einen solchen Aufklärungsprozess initiieren, ohne verkehrs- und bautechnische Maßnahmen einzufordern. Schau’n wir mal, was passiert.

Mit freundlichen Grüßen

Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte der
5. Informationsveranstaltung

„Neue Fußgängerübergänge am Zeltinger Platz - ein notwendiges Übel?“

am 21.03.2012 im Centre Bagatelle in Frohnau

Nach den einleitenden Ausführungen über die Hintergründe der Planung und Entscheidungsvorbereitung durch Bezirksstadtrat M. Lambert stellte D. Vielhaben vom beauftragten Ingenieurbüro (Planungsbüro Böger + Jäckle Berlin) den Stand der Planung für die Zebrastreifen am Zeltinger Platz vor. Frau Dr. S. Butenschön vom Fachgebiet Denkmalschutz der TU Berlin beleuchtete anschließend die Planung vom Gesichtspunkt des Denkmalschutzes.

 

Wesentliche Elemente der Planung

  1. Vor Reichelt wird die zweispurige Straße mittig auf eine Spur verengt.

  2. Auf Höhe der Verengung wird der Zebrastreifen von Reichelt zum Platz angelegt.

  3. Die Einengung auf der Platzseite wird um die Kurve weitergeführt (Form einerbreiten Banane), um auf Höhe der Post mit der einseitigen Verengung (auf der Platzseite) der Fahrbahn einen weiteren Zebrastreifen anzulegen.

  4. Das kleingliedrige Pflaster auf dem erweiterten Fußgängerbereich im Innenbereich des Platzes wird im historischen Stil gestaltet.

  5. Die Bushaltestelle vor Reichelt bleibt erhalten. Die Haltestelle vor der Post wird zwischen Fürstendamm und Edelhofdamm in den Bereich der ehemaligen Betriebshaltestelle verlegt.
    Die Straßenkrümmung an der neuen Bushaltestelle wird geradlinig ausgeführt (Forderung der BVG). Allerdings ist hier der Planer noch offen, nur eine geringfügige Gradierung vorzuschlagen, die zwischen dem jetzigen Zustand und der totalen Gradierung liegen könnte.

  6. Ein dritter Zebrastreifen wird über die Zeltinger Straße am Platz angelegt.

 

Wesentliche Aussage zum Denkmalschutz

Frau Dr. Butenschön machte deutlich, dass die „Breite Banane“ um die Kurve einen erheblichen Eingriff in das Denkmal „Platz“ darstellt. Die symmetrische Form wird dadurch unwiderruflich verlassen. Auch die gradlinige Straßenführung an der neuanzulegenden Bushaltestelle verändert die denkmalgeschützte Form des Platzes. 

 

Bewertung der vorgelegten Planung

Die Ausarbeitung der Planunterlage auf Grund der Vorgaben und maßgebenden Technischen Regeln und unter Anwendung der Schleppkurvensimulationen wurde als zufriedenstellend erachtet. Allerdings wurden keine Alternativen betrachtet. 

 

Wesentliche Aussagen aus der lebhaften Diskussion

  1. Es wurden keine Alternativen betrachtet, was Gegenstand des Auftrags an das Ing.Büro war

  2. Eine belastbare Verkehrszählung liegt nicht vor.

  3. Es wurde keine belastbare Verkehrssimulation (rechnergestützt bzw. realitätsnah im laufenden Verkehr) durchgeführt (erster Schritt). Die für drei bis vier Stunden erfolgte „Simulation“ durch Aufstellen von Hütchen gibt keine belastbare Aussage.

  4. Es wurde somit mit der Planung der zweite Schritt vor dem ersten getan, indem die Ausgestaltung der Fußwegerweiterung in den Vordergrund gestellt wurde. Auf die Frage der Auswirkungen der vorgesehenen Fahrbahnverengung vor Reichelt für den dort vorgesehenen Zebrastreifen auf die rückwärts entstehende Stauverhalten (erster Schritt) konnte keine Antwort gegeben werden, da es nicht untersucht worden ist. Somit konnte es auch nicht im Auftrag des Ing.-Büros berücksichtig werden.

  5. Die Prüfung der denkmalrelevanten Belange liegt offensichtlich nicht vor, da die Planunterlage erst am Tag vor der Veranstaltung fertig wurde. Insofern sind die Aussagen der Senatsverwaltung (Schreiben vom 20.02.2012), dass der Denkmalschutz gewürdigt wurde, nicht nachvollziehbar.

  6. Die Einengung der Fahrbahn auf eine Spur auf dem Abschnitt vor Reichelt sowie die Einrichtung eines Zebrastreifens an der Stelle und vor der Post führt in Verbindung mit den anderen Zebrastreifen vor und nach der Brücke sowie mit dem über die Zeltinger Straße zu gravierenden Staus, die bis in die Welfenallee und die Zeltinger Straße reichen. Die Beibehaltung der Haltestelle vor Reichelt vor der geplanten Einengung wird den Stau noch weiter erhöhen, da der 120-Bus, der in die Burgfrauenstraße einbiegt, jetzt auch noch durch den Flaschenhals muss.

  7. Die Staus werden mit Sicherheit eine Verkehrsverdrängung in andere Bereiche verursachen. Autofahrer werden Schleichwege finden. Damit wird der Verkehr Lärm und Unsicherheiten für Fußgänger in andere Bereiche verlagern, wodurch Proteste der Betroffenen hervorgerufen werden wir

  8. Der jetzt vorgesehene Zebrastreifen über die Zeltinger Straße stellt sich als eine zusätzliche Maßnahme dar, die nicht unmittelbar mit den Zebrastreifen vor Reichelt und der Post zusammenhängt. Er wird aber begrüßt. Allerdings ist nicht begreifbar, dass keine Zebrastreifen über den Edelhofdamm und den Fürstendamm vorgesehen werden, da zwischen beiden Straßen die neue Bushaltestelle angeordnet werden soll. Passanten, die den Bus verlassen, müssen beide Straßen queren. Und dabei ist insbesondere der Übergang Edelhofdamm für Autofahrer nicht einsehbar, wenn der Bus an der Haltestelle die Sicht versperrt

  9. Die Aufgabe der Vorfahrtsregelung für die Burgfrauenstraße, wenn sie in den Zeltinger Platz mündet, wird die Situation in dem Bereich entspannen, so dass man mit einem Zebrastreifen von Reichelt zur Postseite auskommen kann. Die Vorfahrtsregelung, die der Vormauerzeit geschuldet ist, als nur zwei Zufahrten nach Frohnau (Burgfrauen- und Frohnauer Straße; die Rote Chaussee spielte verkehrlich keine Rolle) existierten, ist in der heutigen Situation nicht mehr notwendig.

  10. Wenn über alle Straßen, die in die Plätze einmünden, Zebrastreifen eingerichtet werden, dann ist der Abstand derart kurz, dass es in Zeiten höheren Verkehrs- und Fußgängeraufkommens zu erheblichen Stausituationen für den Autoverkehr kommen wird.

  11. Ein zum Schluss vorgebrachter Vorschlag geht davon aus, alles bei der jetzigen Situation zu belassen und über einen intensiven, öffentlichen Aufklärungsprozess unter dem Motto „Frohnau fährt fair!“ dafür zu werben, dass die am Verkehr beteiligten Teilnehmer Auto, Radfahrer und Fußgänger gegenseitig aufeinander acht geben, so dass dem jeweils schwächeren Verkehrsteilnehmer der Vorrang eingeräumt wird. Dieses kann für den gesamten Siedlungsbereich Frohnau westlich der B 96 und nördlich der Burgfrauenstraße sowie nördlich der Ecke Frohnauer Straße/Falkentaler Straße mit folgenden Regelungen realisiert werden: „Rechts vor links“, „überall 30 km/h“ und beide Plätze erhalten den Status „Kreisverkehr“. Damit kann der jetzige Schilderwald bis auf die Regelungen für Parken und einige unbedingt notwendige „entblättert“ werden, sicherlich nicht unerheblich für die Ästhetik der Gartenstadt Frohnau. 

  Zusammenfassung

a) Alle Anwesenden stimmten überein, dass es ein ausgewogenes Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer geben muss. Es geht nicht darum, den Autoverkehr zu priorisieren, aber auch nicht darum, ihn zu verhindern. Vielmehr geht es darum, die Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und gleichzeitig den Autoverkehr am Laufen zu erhalten, aber nicht durch Verdrängung in bislang weitgehend unbelastete Bereiche guter Wohnqualität

b) Alle Anwesenden waren sich aber auch einig, dass das jetzt vorliegende Konzept der unter Punkt 11 genannten Zielperspektive nicht annähernd gerecht wird

c) Eine Realisierung des jetzigen Konzepts hat die Konsequenz, dass ein Rückbau auf Jahre, wenn nicht überhaupt, ausgeschlossen ist, wenn sich die Maßnahme insgesamt als eine Verschlechterung gegenüber der jetzigen Situation herausstellt, was nach menschlicher Logik und den Erfahrungen der mit den Frohnauer Verhältnissen vertrauten Menschen zu erwarten und absehbar ist

Empfehlung

Da die Diskussion um die Einrichtung der hier in Rede stehenden Zebrastreifen schon derart lange gedauert hat, ist auch jetzt noch keine Eile und Hektik angezeigt. Es sollte noch eine Denkpause eingeräumt und insbesondere eine rechnergestützte Simulation* unterschiedlicher Alternativen unter Einbeziehung des Umfeldes der beiden Plätze durchgeführt werden, um auch die Beeinflussung bislang nicht betroffener Bereiche zu erfassen.

*Ein Kostenvoranschlag, der vom Bürgerverein angefragt wurde, beläuft sich auf ca. 7.000 €.