Die Spaziergänge

Im Rahmen de Beitrags von Frohnau zur IGA 2017 bieten das Bezirksamt Reinickendorf und der Bürgerverein drei Spaziergänge an:

 

1. Spaziergang "Frohnaus Blaue Augen und Frohnaus Gärten und Häuser" (Westteil Frohnaus)

2. Spaziergang "Frohnaus Blaue Augen und Frohnaus Gärten und Häuser" (Ostteil Frohnaus)

3. Spaziergang "Frohnaus Alleen"

 

Mit dem 1. und 2. Spaziergang soll sowohl für Frohnauer als auch für Nicht-Frohnauer deutlich gemacht werden, das es toll ist, hier zu leben bzw. bei Nicht-Frohnauern der Wunsch entstehen: Hier wollte ich auch leben! Dazu soll auf den Spaziergängen der ortsbildprägende Charakter mit seinen Häusern und Gärten im Landhausstil vermittelt werden. Gleichzeitig soll dabei das einmalige System der Niederschlagsbewältigung erläutert werden, das aus heutiger Sicht schon richtungsweisend bei der Gründung von Frohnau entwickelt worden ist.

Frohnauer Gärten und Häuser

Die städtebauliche Eigenart des Ortsteils Frohnau ist durch seine siedlungsgeschichtlichen Ursprünge geprägt. Frohnau wurde 1910 als Villenvorort mit Gartenstadtcharakter gegründet. Der Bebauungsplan der Architekten Joseph Brix und Felix Genzmer spiegelt mit seinen geschwungenen Straßenzügen, Grünanlagen und Schmuck- plätzen formal den Gartenstadtgedanken wider. Für die vorgesehenen Ein- und Zweifamilienhäuser wurde der Landhausstil als Grundform der Bebauung vorgeschrieben. Großzügige Parzellenzuschnitte, tiefe, unverbaute und gärtnerisch gestaltete Grundstücke sowie der Erhalt von Teilen des ursprünglichen Waldbestandes sollten die landschaftliche Qualität der neuen Siedlung sichern.

Als Baustil war das frei geplante „Landhaus“, das nicht mehr Villa genannt wurde, von 1905 an das Maß aller Dinge und wurde vor allem in Frohnau umgesetzt. Der „Landhausstil“ mit den Elementen von Walmdächern, Dachgauben, Ziergiebeln, Erkern, Fensterläden und Veranden löste damit die Renaissancevilla, die gotisierenden Schlösschen und auch den Jugendstil ab. Das Ortsbild wird durch die solide Einzelhausbebauung geprägt.

Die Zeitstimmung um 1910 war auch der Wunsch, von Natur „umspült“ zu sein, vom Garten auf die Baumallee hinauszutreten und durch den Park bis hinaus in den Wald, auf die Felder, an die Seen zu spazieren.

Das Gesamtbild der „Gartenstadt“ in seiner charakteristischen Verbindung baulicher und landschaftlicher Strukturen ist schützenwert. Es ist ein wichtiges Zeugnis für die letzte Phase der Entwicklung der Villenvororte im Berliner Umland und bewahrt bis heute die besonderen Qualitäten der ursprünglichen Planung. Daraus bezieht das Gebiet trotz vielfältiger Veränderungen eine besondere, unverwechselbare Identität.

Frohnau hat vieles von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Deshalb ist es auch Verpflichtung, den heutigen Anspruch, der sich mit dem Begriff „Gartenstadt“ verbindet, immer wieder neu zu realisieren. 

Frohnauer Blaue Augen

Ungewöhnlich sind die vielen kleinen Versickerungsteiche, Frohnaus „Blaue Augen“, die zusammen mit der Straßenführung und dem kleingliederigen Pflaster bei der Gründung im Mittelpunkt für die Niederschlagswasser-bewirtschaftung standen. Sie sind bereits vor 100 Jahren im heutigen Sinne weitblickend ökologisch angelegt worden und stellen noch heute das einzig mögliche Entwässerungssystem für den Niederschlag in Frohnau dar. Diese Versickerungsteiche sind aber auch ökologische Lebensräume für Lebensgemeinschaften, sog. „ökologische Trittsteine“.

Die hydrologischen Einzugsgebiete

Die Straßen wurden so geführt, dass der Niederschlag, der nicht auf den Grundstücken mit ihren großen Gärten versickerte, den tiefsten Stellen im freien Gefälle über die befestigten Straßen zugeführt werden konnte. An diesen Stellen wurden die Teiche künstlich angelegt. Dazu wurde das gesamte Siedlungsgebiet in zwanzig kleine hydrologische Einzugsgebiete unterteilt.

Wenn man aufmerksam durch Frohnau schlendert, stellt man fest, dass man immer leicht bergauf bzw. bergab geht. Und auf dem Scheitelpunkt geht man von einem hydrologischen Einzugsgebiet ins nächste über.

Das Alleinstellungsmerkmal Frohnaus

Die bei der Gründung von Frohnau im Mittelpunkt gestandene Planung für einen nachhaltigen Umgang mit dem Niederschlagswasser hat in den 100 Jahren ihres Bestehens funktioniert und kann auch nach heutigen Maßstäben als richtungsweisend angesehen werden. Frohnau stellt damit ein Unikat dar. Deshalb ist das System auch für die Zukunft zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln. Das integrale System von Straßenführung, Straßenbelag, oberirdischer Niederschlagswasserableitung zu den Versickerungsteichen, von Versickerungsteichen als ökologische Lebensräume sowie als Naherholungsbereiche stellt die Grundlage für ein intaktes und erlebbares Siedlungsgebiet dar und begründet damit sein Alleinstellungsmerkmal.

Spaziergang West

Der Spaziergang (braune Linie) verbindet die beiden Elemente, die für Frohnau typisch sind: die ortsbild- prägende Architektur (Frohnauansichten) und das Niederschlagswasser-Management (Frohnauaugen). Der Spaziergang beginnt am S-Bahnhof und führt über die Welfenallee durch das erste hydrologische Einzugsgebiet (blau gestrichelt) zum Versickerungsbecken „Welfenteich“, der nach Norden passiert wird und weiter zum Häuserensemble „An der Buche“ (Nr. 1) führt. Von dort geht es weiter über den Sigismundkorso zur Alemannenstraße. Dabei kommt man in ein weiteres hydrologisches Einzugsgebiet. Der Alemannenstraße folgend werden zwei hydrologische Einzugsgebiete durchquert, bis man in das dritte hydrologische Einzugsgebiet „Amselteich“ gelangt. Auf dem Weg liegen die Häuser Nr. 2 bis 7. An der Kreuzung Ortwinstraße wird nach Osten abgebogen und bis zur Nibelungenstraße gegangen, wo dann nach Norden abgebogen wird bis zur Stolzingstraße. Dabei gelangt man in das hydrologische Einzugsgebiet der beiden Versickerungsteiche „Nibelungenteich“ und „Stolzingteich“, die sog. „Bananenteiche“.

Entlang des Nibelungenteiches geht es weiter zum Gralsritterweg. Dabei kommt man am Haus Nr. 8 vorbei. Über den Gralsritterweg geht es weiter zum Laurinsteig. Dort trifft man auf das Häuserensemble „Reneé Sintenis Schule“ (Nr. 9). Dem Laurinsteig bis zur Hainbuchenstraße folgend kommt man in das hydrologische Einzugsgebiet „Laurinteich“. An der Kreuzung liegt das Haus Nr. 10. Hier wendet man sich nach Osten und folgt der Hainbuchenstraße, die in den Maximiliankorso übergeht. Hierbei wechselt man wieder in das hydrologische Einzugsgebiet „Amselteich“. Auf dem Weg nach Osten bis zum Ausgangspunkt des Spaziergangs liegen die Häuser Nr. 11 bis 21. 

Spaziergang Ost

Der Spaziergang (rote Linie) verbindet die beiden Elemente, die für Frohnau typisch sind: die ortsbild- prägende Architektur (Frohnauansichten) und das Niederschlagswassermanagement (Frohnauaugen).

Er beginnt am Zeltinger Platz an der ev. Kirche (Nr. 1) und verläuft über den Edelhofdamm entlang des Brix-Genzmer-Parks mit seinen zwei Versickerungsbecken (Edelteich alt und neu) und der wiederhergestellten Rotunde (R) aus der Gründerzeit bis zum Buddhistischen Haus. Weiter geht es über den Oppenheimer Weg zur BEWAG-Siedlung. Typisch für die Siedlung sind die Häuser längs des Unkeler Pfads (Nr. 2).

Auf dem Weg zum Fürstendamm verlässt man das hydrologische Einzugsgebiet (blau gestrichelt) Edelteich und geht über in das hydrologische Einzugsgebiet Fürstenteich. Am Fürstendamm sind die Häuser Nr. 3 bis 6 hervorzuheben. Im weiteren Verlauf biegt man auf der Höhe des Versickerungsteiches Fürstenteich in die Walporzheimer Straße ab und kommt in das hydrologische Einzugsgebiet Rosenangerteich. Auf der Höhe des Teiches sind die Häuser Nr. 7 bis 10 bemerkenswert. Der Weg führt durch den Park Rosenanger mit seinem schönen Baumbestand weiter auf die parallel laufende Straße Im Fischgrund und weiter in die Hattenheimer Straße. Kurz vor dem Fürstendamm wird das hydrologische Einzugsgebiet Rosenangerteich verlassen und man kommt in das hydrologische Einzugsgebiet Dammteich. Beim Übergang sind die Häuser Nr. 11 und 12 bemerkenswert. Vorbei an Haus Nr. 13 kommt man wieder zum Ausgangspunkt Zeltinger Platz zurück. 

Mit dem 3. Spaziergang werden die Maßnahmen zur Wiederherstellung der durch Ludwig Lesser gestalteten Straßen und Plätze vorgestellt. 

Spaziergang Frohnau Alleen

Den Ideen der Gartenstadtbewegung verpflichtet wares von Anfang an Aufgabe der Berliner Terrain Centrale BTC (Eigentümer des Siedlungsgebietes), unter Berücksichtigung der Baubeschränkung und der Erhaltung des Baumbestandes, die Straßen, Plätze und Grünflächen entsprechend zu gestalten. Und hier ist es das Verdienst des Gartenarchitekten Ludwig Lesser (Gartendirektor der BTC ), die heute noch vorhandenen Strukturen entworfen und gestaltet zu haben.

Gemäß Bebauungsplan wurden innerhalb eines Jahres 40 Kilometer Straßen in den Wald geschlagen, von denen18 Kilometer gepflastert und mit 10.000 Straßenbäumen gesäumt wurden. Dabei erhielten die Straßen jeweils unter- schiedliche Baumsorten wie Eichen, Kastanien, Platanen, Linden.

Die von Ludwig Lesser für Frohnau angelegten Schmuck- plätze, Gärten und Grünanlagen sowie die unterschiedlichen Baumarten für die Straßenbegrenzung sind teils verschwunden und teils nicht fachgerecht ersetzt worden.

Mit der IGA-Beteiligung von Frohnau hat das Bezirksamt eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um dem typischen Frohnaucharakter wieder herzustellen. Dabei wird angeknüpft an die Planungsgrundlagen von Ludwig Lesser, diese aber auch behutsam weiter entwickelt.

Die Maßnahmen sind:

• Mittelstreifen im Sigismundkorso

• Mittelstreifen in der Wiltinger Straße

• Welfenallee

Sigismundkorso

Die Maßnahme zielt darauf ab, den Mittelstreifen wieder an die ursprünglich von Ludwig Lesser gestaltete Form anzupassen. Dazu wurden die vorhandenen Tannen und Koniferen, die keine typischen Bäume Frohnaus sind, beseitigt. Die Randbepflanzung erfolgt wie zu Gründerzeiten mit weißblühenden Kastanien, einer Neuzüchtung, die nicht mehr die Höhe von Waldbäumen erreichen.

Und in der Mitte des Mittelstreifens wird wieder der „Promenadenweg“ angelegt, der auf den zentralen Bahnhofsvorplatz führt. Damit wird die ursprüngliche Sichtachse auf den Turm wiederhergestellt.

Wiltingerstraße

Die Maßnahme zielt darauf ab, den Mittelstreifen wieder an die ursprünglich von Ludwig Lesser gestaltete Form anzupassen. Dazu wurden die vorhandenen Tannen und Koniferen, die keine typischen Bäume Frohnaus sind, beseitigt. Die Randbepflanzung erfolgt wie zur Gründerzeit mit Silberlinden, einer Neuzüchtung, die nicht mehr die Höhe von Waldbäumen erreichen.

Die Grünfläche des Mittelstreifens wird als Versickerungsfläche für Niederschlagswasser modelliert. Hierzu werden in bestimmten Abständen Durchlässe durch die Bordsteine angebracht, so dass das Niederschlagswasser in den Mittelstreifen gelenkt werden kann. Damit wird das Versickerungsbecken im Ludwig Lesser Park erheblich entlastet.

 

Welfenallee

Die historisch versetzten doppelreihigen Baumalleen werden mit Silberahornbäumen beidseitig ergänzt. Dabei werden behutsam Parktaschen angelegt. Die noch vorhandenen ursprünglichen Heckenbegrenzungen des ehemaligen Reitweges, der mit dem nicht mehr vorhandenen Jägerhof im Zusammenhang stand, in Teilabschnitten wieder hergestellt.